EIN LEBENSZEICHEN


(...) Am nächsten Morgen auf dem Weg zur Schule holte Gerry Rosi wie gewohnt ab. „Hast du gestern noch für die Deutscharbeit gelernt?“, fragte Gerry müde. 

„Brauche ich nicht. Deutsch mache ich mit links“, entgegnete sie selbstbewusst. 

„Wenn ich das mal von mir behaupten könnte“, brummte Gerry vor sich hin. 

Er war in Mathe eindeutig besser. Hier half er Rosi so oft wie möglich. Aber Deutsch, das kann man gar nicht lernen, fand er.

„Mama holt uns heute Mittag ab und fährt uns zur Bücherei“, sagte Gerry. 

„Perfekt!“, rief Rosi begeistert, „wir brauchen mehr Bücher über Detektivarbeit. Ich will alles so professionell wie möglich machen.“

„Ich habe Mama gesagt, dass ich ein paar Bücher für Englisch brauche. Damit sie keinen Verdacht schöpft.“

„Wie clever von dir“, hörte Gerry Rosi gerade noch rufen, als sie am Schultor angekommen, ihrer Freundin Meike entgegen rannte.

Gerry sah sich nach seinem Freund Tom um.

Rosi fiel Meike um den Hals und drückte sie feste.

„Hey Rosi“, wehrte sich Meike, „du erdrückst mich gleich. Nun erzähl schon!“

 

Meike war ein aufgewecktes Mädchen mit langen, blonden Haaren und meist kleinen geflochtenen Zöpfen. 

Die Mädchen kannten sich seit der 1.Klasse und hatten schnell Freundschaft geschlossen. Rosi mochte Meikes witzige Art. Sie hatte in jeder Situation den passenden Spruch. So hatten die Mädels immer viel zu lachen miteinander. 

Nicht so an diesem Morgen.

„…und seitdem ist er verschwunden“, schloss Rosi ihre Erzählungen und musste schlucken. 

„Er“, Meike fehlten die Worte, ihr fiel nichts Besseres ein als, „er wird sicher ganz schnell von der Polizei gefunden.“

„Nein, ich fürchte nicht. Ich habe mit Gerry eine Detektei gegründet.“ 

Rosi biss sich auf die Lippen. (...)